Navigation überspringen

Startseite

Grundlagen der ÖGABS-Arbeit

In Österreich gibt es heute etwa 2,3 Millionen RaucherInnen, 330.000 Alkoholabhängige, 110.000 Arzneimittelabhängige und etwa 30.000 Menschen mit "problematischem" Opiatkonsum. Abhängigkeitskrankheiten betreffen einen großen Anteil der Bevölkerung in allen Alterslagen. Sie sind davon gekennzeichnet, dass bei chronischem Verlauf multimorbide Entwicklungen eintreten. Bei stoffgebundenen Abhängigkeiten sind diese zum Teil durch die Substanzen selbst bedingt, zum Teil resultieren sie aus der Applikationsweise und/oder anderen Variablen des abhängigen Lebensstils. Zu den Begleit- und Folgerkrankungen zählen sowohl psychiatrische Krankheitsbilder (z.B. Depression, Angststörung) wie auch infektiöse Erkrankungen (z.B. HIV/AIDS, Hepatitis B/C), Erkrankungen des Herz- Kreislaufsystems (z.B. Myocardinfarkt), des Nervensystems (z.B. Polyneuropathie). Die Tabakabhängigkeit allein bereits zeichnet verantwortlich für erhöhte Morbidität und Mortalität in der Gesamtbevölkerung (Karzinome von Lunge, Kehlkopf, Asthma/COPD, etc.)

Ganzheitliche medizinische Behandlung für PatientInnen

Da es sich bei Abhängigkeiten aller Art um Krankheitsgeschehen handelt, die kompliziert verlaufen und zu vielen Begleit- und Folgeerkrankungen führen, wurden Konzepte entwickelt, den Verlauf der Erkrankung durch adäquate medizinische Behandlung und psychosoziale Betreuung günstig zu beeinflussen. Diese Konzepte sind sozialmedizinisch und auf interdisziplinäre Zusammenarbeit ausgerichtet, folgen weitestgehend einem schadensminimierenden Zugang und schließen medikamentöse Stützung ein.

Die Behandlungskonzepte verfolgen verschiedene Strategien

, wobei es grundsätzlich darum geht, das „süchtige“ Verlangen nach psychoaktiven Stoffen zu beeinflussen. Dabei wird versucht, entweder das Verlangen selbst medikamentös zu bekämpfen („Anti-Craving"-Substanzen) oder die Substanzen kontrolliert abzugeben (Nikotin-Ersatztherapie, Substitutionsbehandlung mit Opioiden). Ganz im Sinne der Philosophie der Schadensminimierung soll dabei sowohl das Individuum wie auch die Gemeinschaft vor einer Ausweitung der Polymorbidität und weiteren Folgeschäden bewahrt werden.

Wissenschaftliche Evaluation

Diese Behandlungskonzepte werden nunmehr bereits seit vielen Jahren national und international umgesetzt und Evaluationen zeigten gute Erfolge. Die Reduktion von Morbidität und Mortalität vermindert Leid, fördert die Gesundheit, erhält die Produktivität und entlastet das Gesundheitssystem in finanzieller Hinsicht. Im Falle der Substitutionsbehandlung mit Opiaten bringen die Reduktion der Beschaffungskriminalität sowie eine fortschreitende (Re)Sozialisation erheblichen volkswirtschaftlichen Nutzen.

Medizin und Debatten in der Öffentlichkeit

Die einzelnen Behandlungsmethoden sind dennoch wiederholt gesellschaftspolitisch umstritten. Die medizinische Bedeutung der Behandlung wird unterbewertet und ordnungspolitischen und sozialpolitischen Zielen nachgestellt. Mythenbildungen entstehen, die zu einer Kette von Fehlinformationen und Fehlinterpretationen führen. Von diesem Prozess ist vor allem die arzneimittelgestützte Behandlung der Opiatabhängigkeit (Substitutionsbehandlung) betroffen. Mythen und stigmatisierende Zuschreibungen betreffen sowohl die PatientInnen, wie auch die Substanzen und die behandelnden ÄrztInnen. Bestehenden Behandlungsangebote werden ohne wissenschaftliche Evidenz, aus politischen oder individual-moralistischen Motiven, diskreditiert und sind Versuchen der Einzuschränkung ja sogar des Verbotes ausgesetzt.

Gründung einer Fachgesellschaft

Aufgrund der Beobachtung dieses gesellschaftlichen Prozesses haben sich Vertreter der arzneimittelgestützten Behandlung der Suchtkrankheit aus verschiedenen medizinischen Disziplinen und aus der Forschung zu einem Verein zusammengeschlossen, der es sich zum Ziel setzt, den Problemen, denen sich dieser Behandlungszugang ausgesetzt sieht, auf professionellem Weg zu begegnen.

Die Ziele der Gesellschaft sind: